...mil veces la vida, para qué vivir?...

Donnerstag, 24. November 2011

Tango. Energie. Tango. Energie.

Vor kurzem habe ich mich mit einem Tanguero ausgetauscht, der mir einen Text gegeben hat, in dem ich sehr schöne Ansichten entdeckt habe (Nachzulesen in: »Tango - Die einende Kraft des tanzenden Eros« von Ralf Sartori u. Petra Steidl. Zugegeben, der Titel klingt etwas fragwürdig....)

Ich stoße damit mal wieder auf das Thema Energie. Ich kenne es gut aus dem Flamenco, sich intensiv mit Energiearbeit beim Tanzen zu beschäftigen und damit gleichzeitig mit den Fragen: Wie setzte ich körperliche Energie sichtbar um, wie kann ich Energie kompensieren, um sie in eine bestimmte Bewegung zu legen, wie kann man Energie in Impulse und Akzente verwandeln...
Im Tango habe ich das Gefühl, dass Energie eine andere Bedeutung, einen anderen Stellenwert hat. Sie ist spürbar, dabei ungreifbar,  so sehr mächtig. Sie ist verinnerlichter. Und gleichzeitig geht es auch um ihren Wirkungskreis, um das Wechselspiel. Es geht um die Energie zwischen zwei Menschen. 

Ich denke, man kann Menschen allgemein in ihrer Energie "erspüren"... sich in ihren, sagen wir mal, Energiekreis einfühlen. Wenn mir ein Mensch begegnet, versuche ich auch immer, seine Energie aufzunehmen, zu spüren: was ist da, was kommt bei mir an, wie fühlt sich die Energie dieses Menschen an. Meistens sind ja auch nicht so sehr die Worte des Gegenübers entscheidend, sondern die Energie, die er ausstrahlt - ich glaube, dadurch kann man im besten Fall einen Menschen erkennen.

Und eigentlich ist es doch auch genau das, worum es im Tango geht. Um die Energie des Partners, die man spüren und annehmen muss, kann, soll, darf....Das klappt natürlich nicht immer. Denn man kann einfach nicht mit jedem, manche Menschen blockieren einen förmlich durch ihre Energie.  Aber es gibt dann andererseits auch diese wunderbaren Momente, in denen man das Gefühl hat, man hat einen gemeinsamen »Energiekreis« gefunden und alles fließt zwischen einem selbst und dem Menschen, mit dem man tanzt....

In Bezug darauf hat mir eine Textstelle ganz besonders gefallen: Der Gedanke, als Frau ein »durchlässiges Gefäß« zu sein: 

»Die Frau bewegt sich primär nie mit ihrer eigenen Energie, sondern lässt sich vom Mann bewegen. Sie bleibt pausenlos im Kontakt mit ihm und macht sich ganz zum Gefäß, durchlässig für seine Bewegung, um seine tänzerische Energie aufzunehmen, zu erfahren.«   

Sich also sozusagen ganz durchlässig, transparent, geschmeidig  zu fühlen. Um an einen Punkt zu gelangen, an dem es einem mühelos erscheint, die Impulse des anderen aufzunehmen, sich einzulassen - dann hat man das Gefühl, in sich selbst etwas zum Fließen zu bringen, innerlich befreit zu sein, - und dadurch auch mit dem anderen im Fluss sein zu können.

Mir gefallen auch Sartoris / Steidls »Grundregeln« für die Frau: 

»Glaube, was du fühlst. Zerstöre die Klarheit nicht durch spekulatives Denken. Vertraue dem Mann. Irrtümer im Tango sind harmlos. Setze die Schritte nie selbst und nimm an, daß er dir mit seinen Füßen und seinen Schultern immer dort Platz macht, wohin er dich gerade führt. Der Mann sollte stets dafür sorgen, die­sem Vertrauen gerecht zu werden und sein Bestes zu geben.«

Und ja, wie schön ist auch der Gedanke, dass einem der Mann ein hohes Maß an Achtsamkeit und Aufmerksamkeit entgegenbringt, erspürt, welche Impulse die Frau aussendet - und darauf eingeht. Könnte man das als generalisierte Wunschvorstellung nahezu jeder Frau benennen? :-) Nicht selten genug ist es doch genau das, was man sich als Frau auch im Leben wünscht. Insofern dürften sich einige Männer gern von dieser Tango-Sichtweise etwas abschauen.  

»Der Mann spürt die Frau dadurch, wie sie auf seine Führung reagiert, auf ihre Art des Hindurchlassens und Mitgehens, ihre eventuellen Widerstände und Unsicherheiten oder ihr Einlassen, ihr Vergnügen, ihre Angebote und Verzierungen. Das sei ihm Anleitung.«

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