...mil veces la vida, para qué vivir?...
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Freitag, 31. Januar 2014

Tango 2.0


Manchmal sind es nur drei Minuten, in denen sich die Welt vergisst. Es ist die Suche nach dem einen Moment, den man in Ewigkeit verwandeln kann. Dann fängt die Zeit an, mit dem Fluss zu ziehen. Stromaufwärts. Und man geht wieder eine Beziehung für den Augenblick ein. Intensiv und ohne Nachspiel. In der man vielleicht eine Quelle unter der Haut des anderen findet. Oder in der man erkennt, dass manche Arme wärmer sind als andere. Gerade das ist der Zucker der Begegnung. Der Schritt aus dem einen Leben in ein anderes Leben. Hinein in die Umarmung einer Nacht, die körperlos nackt und nackt verknüpft. Aber manchmal kann man den Moment nicht in Zeit verwandeln. Und was am Ende bleibt, ist die Erinnerung an einen Augenschlag von Ewigkeit.

Donnerstag, 12. April 2012

Mi pasion: ein Tangoschuh - oder auch zwei

Tango ist so viel. Leider auch ein Stück weit Eitelkeit. Nun ja, das kann man jetzt sehen, wie man möchte. Als Frau sieht man das sicher nicht so eng. Zumindest was die Schuhmode angeht. Da ist der Begriff der Eitelkeit sehr dehnbar. Schließlich braucht man gutes Schuhwerk, um mit den tanzenden Herren der Schöpfung die Nächte auf der Tanzfläche zu durchwachen. Und damit der bewegte Spaß auch beim Hardcore-Tango-Workshop-plus-Milonga-Tag oder beim Festival nicht an den schmerzenden Füßchen scheitert, braucht frau selbstverständlich mehrere Tanzschuh-Paare - zum rechtzeitigen Wechsel. Was für eine großartige Ausrede für den gut gefüllten Tangoschuhschrank. (Dieses Argument zieht leider bei den Alltagstretern nicht ganz so gut - hindert mich persönlich jedoch nicht daran, auch da eifrig und vorallem mehrfach zuzuschlagen - das Resultat sind ein 3 Meter langes, zweistöckiges Schuhregal im Flur sowie mehrere gefüllte Regale auf dem Speicher....).

Wie dem auch sei. Eitelkeit hin oder her. Ich brauche neue Tangoschuhe. Und um auf den Punkt zu kommen. Ich brauche sie sofort. Vielmehr am kommenden Samstag. Da werde ich nebst Milonga im TANGOLOFT (by Tango Contigo) auch dem an diesem Abend präsenten Schuhstand von MI PASION aus Stuttgart einen Besuch abstatten. Ein, zwei, drei kleine Favoriten hätte ich da schon. Verraten wird noch nichts. Der Kauferfolg wird aber selbstverständlich dokumentiert und Euch nicht vorenthalten....



Dienstag, 3. Januar 2012

Tango ist....


ACHTSAMKEIT. SEELE. GLÜCK. LEIDENSCHAFT. LIEBE. SCHMERZ. FÜHREN. FÜHLEN. EROTIK. EINSAMKEIT. ZWEISAMKEIT. NÄHE. DISTANZ. VERTRAUEN. RESPEKT. SENSIBILITÄT. SINNLICHKEIT. TANGO IST. WUT. KREATIVITÄT. TIEFE. SUCHT. SEHNSUCHT. VERBINDLICHKEIT. UNVERBINDLICHKEIT. ENERGIE. ANZIEHUNG. HAUT. UMARMUNG. GEBORGENHEIT. RÜCKSICHT. SEX. DUFT. FLEXIBILITÄT. ALLES. INTUITION. MACHT. ACHSE. TRENNUNG. GLEICHGEWICHT. INSPIRATION. LEBENSFREUDE. BEGEHREN. BERÜHRUNG. LOSLASSEN. FINDEN. SUCHEN. GÄNSEHAUT. VERFÜHRUNG. ZUFLUCHT. AUFMERKSAMKEIT. THERAPIE. SPIEGEL. HERZ. HINGABE. MACHT. DYNAMIK. WAHRHEIT. FORDERND. VERSPIELT. TRAURIG. MELANCHOLISCH. FRECH. SEXY. LASZIV. ERNST. SÜSS. EHRLICH. BEZAUBERND. INTERNATIONAL. LIBERAL. TANGO IST. FASZINIEREND. BEDEUTEND. VERÄNDERND. VERRÜCKT. EINLADEND. SCHÖN. ELEGANT. BERÜHREND. HEISS. SOZIAL. BELEBEND. GRENZENLOS. KOKETT. BELEHREND. LEBENSVERLÄNGERND.  

Dienstag, 27. Dezember 2011

Die Nähe für den Augenblick



Ich frage mich immer wieder: Wie ist das mit der Nähe beim Tango? 
So nah wie beim Tango kommt man sich üblicherweise ja nicht so schnell. Oder wann begegnet man einem halb Fremden oder halb Vertrauten - wie auch immer - schon Wange an Wange, den Geruch des anderen in den Sinnen? Und wie oft lässt man auch die nicht körperliche Art von Nähe im "normalen" Leben zu? Vermutlich viel zu selten - aus welchen Mechanismen heraus auch immer.

Ist es vielleicht gerade das, was den Tango so verführerisch erscheinen lässt? Was uns zu ihm hintreibt, was uns nicht mehr von ihm loskommen lässt? Denn mal abgesehen davon, dass er ganz profan gesehen ein Tanz ist, eine Beschäftigung, eine Art Sport, ein Freizeitvergnügen....da ist noch etwas anderes, Tieferes, was diese Faszination ausübt und sich manches Mal wie eine Art Sucht anfühlt.

Ist es die Nähe, die man beim Tango bekommt? Denn er stillt doch letzlich genau das: unsere leise, tiefe, ureigentliche Sehnsucht nach Geben und Nehmen, nach Achtsamkeit und Respekt, nach Zweisamkeit. Und nach Nähe....und der Tango gibt sie uns. Für drei Minuten, für zehn, für einen Abend. Und das auf eigentlich völlig unverbindliche Art und Weise – ja, man muss nicht mal reden, sich nichts versprechen, es bleibt dabei, es ist die Nähe für den Augenblick. Wie weit man darüber hinaus gehen will, bleibt jedem selbst überlassen. Fakt ist aber, man muss nicht. Man kann sich Nähe »holen«, ohne ihre Folgen tragen zu müssen.  


Sind vielleicht gerade deshalb Menschen beim Tango anzutreffen, die im Leben außerhalb des Tangos diese Angst vor Nähe, vor Beziehung, vor dem Sich-Öffnen haben? In diesem Fall ist der Tango natürlich eine wunderbare Möglichkeit, das Nähe-Bedürfnis zu stillen, ohne in irgendeine Art von Verbindlichkeit zu gelangen.
Ralf Sartori hat es ganz treffend die »die Drei-Minuten-Beziehung des Tangos« genannt: »Intensiv, leidenschaftlich, sinnlich und ohne Nachspiel. Fast-Food für die Seele.«

Sich Nähe holen, aber auch eine subtilere Art von Begegnung zwischen Mann und Frau erleben. Gerade in einer übersexualisierten Zeit, in der es nur noch um plakative Erotik geht und alles möglich ist, optionale Online-Partner verfügbar sind wie Sand am Meer, Teenager sich in Social Networks über Sex austauschen, Männer und Frauen sexuelle Grenzen überschreiten ohne eine emotionale Verantwortung einzugehen.
Da ist es doch wie ein heilsames Aufeinandertreffen von zwei Menschen, die sich einfach in einer zarten Umarmung begegnen, aufeinander eingehen, vielleicht einen Moment der Sinnlichkeit oder der Anziehung erleben. Oder auch nicht. Denn Tango kann, muss aber nicht Erotik sein. Hier geht es mehr um Gänsehaut und feinsinniges Erleben... Es ist die Umarmung, die uns an einen entscheidenden Punkt bringt, hinein in diesen wortlosen Dialog zwischen Mann und Frau, zwischen Mensch und Mensch. »Und es kann sein, dass du mit einer fremden Person tanzt und es dir erscheint, als ob du sie schon lange kennst« sagt Héctor Corona (Tangolehrer).  »Dann können drei Minuten sein wie ein ganzes Leben.«


(siehe hierzu auch den interessanten Artikel »Sinnlichkeit und Sucht« von Annett Welsch.)



Donnerstag, 24. November 2011

Tango. Energie. Tango. Energie.

Vor kurzem habe ich mich mit einem Tanguero ausgetauscht, der mir einen Text gegeben hat, in dem ich sehr schöne Ansichten entdeckt habe (Nachzulesen in: »Tango - Die einende Kraft des tanzenden Eros« von Ralf Sartori u. Petra Steidl. Zugegeben, der Titel klingt etwas fragwürdig....)

Ich stoße damit mal wieder auf das Thema Energie. Ich kenne es gut aus dem Flamenco, sich intensiv mit Energiearbeit beim Tanzen zu beschäftigen und damit gleichzeitig mit den Fragen: Wie setzte ich körperliche Energie sichtbar um, wie kann ich Energie kompensieren, um sie in eine bestimmte Bewegung zu legen, wie kann man Energie in Impulse und Akzente verwandeln...
Im Tango habe ich das Gefühl, dass Energie eine andere Bedeutung, einen anderen Stellenwert hat. Sie ist spürbar, dabei ungreifbar,  so sehr mächtig. Sie ist verinnerlichter. Und gleichzeitig geht es auch um ihren Wirkungskreis, um das Wechselspiel. Es geht um die Energie zwischen zwei Menschen. 

Ich denke, man kann Menschen allgemein in ihrer Energie "erspüren"... sich in ihren, sagen wir mal, Energiekreis einfühlen. Wenn mir ein Mensch begegnet, versuche ich auch immer, seine Energie aufzunehmen, zu spüren: was ist da, was kommt bei mir an, wie fühlt sich die Energie dieses Menschen an. Meistens sind ja auch nicht so sehr die Worte des Gegenübers entscheidend, sondern die Energie, die er ausstrahlt - ich glaube, dadurch kann man im besten Fall einen Menschen erkennen.

Und eigentlich ist es doch auch genau das, worum es im Tango geht. Um die Energie des Partners, die man spüren und annehmen muss, kann, soll, darf....Das klappt natürlich nicht immer. Denn man kann einfach nicht mit jedem, manche Menschen blockieren einen förmlich durch ihre Energie.  Aber es gibt dann andererseits auch diese wunderbaren Momente, in denen man das Gefühl hat, man hat einen gemeinsamen »Energiekreis« gefunden und alles fließt zwischen einem selbst und dem Menschen, mit dem man tanzt....

In Bezug darauf hat mir eine Textstelle ganz besonders gefallen: Der Gedanke, als Frau ein »durchlässiges Gefäß« zu sein: 

»Die Frau bewegt sich primär nie mit ihrer eigenen Energie, sondern lässt sich vom Mann bewegen. Sie bleibt pausenlos im Kontakt mit ihm und macht sich ganz zum Gefäß, durchlässig für seine Bewegung, um seine tänzerische Energie aufzunehmen, zu erfahren.«   

Sich also sozusagen ganz durchlässig, transparent, geschmeidig  zu fühlen. Um an einen Punkt zu gelangen, an dem es einem mühelos erscheint, die Impulse des anderen aufzunehmen, sich einzulassen - dann hat man das Gefühl, in sich selbst etwas zum Fließen zu bringen, innerlich befreit zu sein, - und dadurch auch mit dem anderen im Fluss sein zu können.

Mir gefallen auch Sartoris / Steidls »Grundregeln« für die Frau: 

»Glaube, was du fühlst. Zerstöre die Klarheit nicht durch spekulatives Denken. Vertraue dem Mann. Irrtümer im Tango sind harmlos. Setze die Schritte nie selbst und nimm an, daß er dir mit seinen Füßen und seinen Schultern immer dort Platz macht, wohin er dich gerade führt. Der Mann sollte stets dafür sorgen, die­sem Vertrauen gerecht zu werden und sein Bestes zu geben.«

Und ja, wie schön ist auch der Gedanke, dass einem der Mann ein hohes Maß an Achtsamkeit und Aufmerksamkeit entgegenbringt, erspürt, welche Impulse die Frau aussendet - und darauf eingeht. Könnte man das als generalisierte Wunschvorstellung nahezu jeder Frau benennen? :-) Nicht selten genug ist es doch genau das, was man sich als Frau auch im Leben wünscht. Insofern dürften sich einige Männer gern von dieser Tango-Sichtweise etwas abschauen.  

»Der Mann spürt die Frau dadurch, wie sie auf seine Führung reagiert, auf ihre Art des Hindurchlassens und Mitgehens, ihre eventuellen Widerstände und Unsicherheiten oder ihr Einlassen, ihr Vergnügen, ihre Angebote und Verzierungen. Das sei ihm Anleitung.«

Donnerstag, 10. November 2011

desde el alma

wir trafen uns
in einer nacht
in einem tanz
in dem die seele
nackt und nackt verknüpfte

ich entdeckte eine quelle
unter deiner haut
als sich während einer drehung
ein blick von dir löste 
und mir eine ahnung gab
von einer weiteren tiefe

du gabst was viele andere geben
du gabst was keiner vor dir gab
und ich wollte dieser umarmung
ewigkeit verleihen

warum sind manche arme
wärmer als andere

ich spürte
die musik würde enden
lass mir
nur noch einen schritt
nur noch eine weitere endlose sekunde
in deinen armen

aber manchmal
kann man den moment
nicht in zeit verwandeln

denn dann ließest du mich los
und ohne dich umzusehen
ging dein schritt
von mir davon
und meine seele tanzte weiter
allein

es dauerte nur einen tanz
und einen weiteren augenschlag
zwischen uns 

irgendwann
muss vielleicht jeder tanz enden
bis hin zu dem
der ihn unendlich werden lässt

Mittwoch, 5. Oktober 2011

Tango ist nicht Flamenco ist Tango ist Flamenco ist nicht Tango... Eine Überlegung.

Flamenco und Tango Argentino. 

Das ist zwei Mal verliebt sein für mich. Das sind zwei Blicke in so verschiedene Wesen, zwei Arten, meinem Körper in der Bewegung Raum zu lassen und der Musik eine Körperlichkeit zu geben. Das sind zwei so verschiedene Seelen, die doch so verbrüdert sind in ihrer Komplexität, in ihrer Tiefgründigkeit, in ihrer Art, das Leben zu sehen. Beide können meine Seele über den Weg des Körpers so sehr bloßstellen, können gemein sein und verletzend. Aber sie können auch die ganze Schönheit der Welt in sich versammeln. Sie sind sich bei aller Unterschiedlichkeit vielleicht näher als jede andere Art von Tanz, sind trotz ihrer so eigenständigen Charaktere irgendwie doch fast wie Zwillinge.
Tango ist, was Flamenco nicht sein kann und Flamenco ist, was Tango nicht sein kann. Gemeinsam finden sie ihre Vollkommenheit.

Tango ist Traurigkeit, ist Begehren, ist Aggression, ist Offenbaren, ist Schönheit und Sinnlichkeit. Dasselbe könnte man über Flamenco auch sagen. Aber es reicht nicht. Es ist so viel mehr. Es ist alles. Tango ist alles, Flamenco ist alles. Beide haben die Fähigkeit, den Spuren in innere Welten zu folgen, sie sind in gewisser Weise Seeleneindringlinge, die das Innerste aufwühlen, nach außen stülpen, zurück nach innen verbannen.
Flamenco und Tango sind eine Suche. Vielleicht ohne Finden. Vielleicht geht es auch letztlich nur darum, zu suchen - nach der Erfüllung aller Sehnsüchte. Nach dem Schaffen neuer Sehnsüchte. Die jeder kennt, die jeder hat. Und auf deren Spuren man sich begeben sollte, jeden Tag.

Flamenco gibt mir Mut. Mut, um den Dingen ihre Offensichtlichkeit zu geben, um offensichtlich Bewegung spürbar zu machen, um Impulse nach außen zu transportieren, ihnen ihren Raum zu geben, zu veräußerlichen, was innerlich schreit. Flamenco ist ein lauter Atemzug, der von den Fersen bis in die letzte Haarwurzel strömt und dabei alle Energie, die er dabei aufsaugt, komprimiert und in Bewegung verwandelt. Vielleicht ist Flamenco mutiger als Tango. Vielleicht ist er auch einfach selbstsüchtiger, was die Darstellung von großen Gefühlen angeht. Er gibt dem Schmerz seine ganze Berechtigung, lässt Aggression weh tun, Verzweiflung hörbar werden, lässt Freude und Enttäuschung in unendlichen Mellismen durch den Raum strömen. Traurigkeit wird noch dunkler, Glück wird noch brennender, Lust wird noch sehnsüchtiger, Sehnsucht wird noch bitterer.

Tango ist in dieser Hinsicht vielleicht subtiler, reflektierter, verinnerlichter. Tango ist ehrlich. So schmerzlich ehrlich. Der Körper kann sich nicht davor verstecken. Auf einmal liegen alle Sehnsüchte und Traurigkeiten, all das Glücklichsein und Wollen, all das Lieben und Begehren, all die Angst und Verletzbarkeit vor mir....und ich kann nur eines tun: Sie mit in den Tanz nehmen. Sie mittanzen lassen. Um danach trauriger oder glücklicher zu sein.
Ein Aneinenanderlehnen, das Berühren von zwei Händen, die Nähe von zwei Wangenknochen, ein streifendes Bein, ein Atemzug kann mehr Verlangen auslösen, als jede Form von direkter Körperlichkeit. Tango ist getanzte Sinnlichkeit. Sinnlichkeit ist Seele. Und Tango kann in die Seele blicken. Sie offenlegen.

Natürlich ist es auch ein sehr großer Unterschied, ob man alleine tanzt wie im Flamenco oder mit einem Partner wie im Tango.
Im Flamenco teilt man die Empfindungen meistens nur mit sich selbst, mit dem eigenen Körper. Kein Gegenüber, keine andere Haut, kein anderer Atem, der mit einem den Rhythmus einatmet. Und wieder ausatmet. Der Partner im Flamenco, der Spiegel ist der Cante, die Gitarre. Und der Compas. Der einem alles vorgibt, auf den man reagieren und achten muss, so wie er auf einen selbst achtet. Die Musik gibt einem vor, wer man zu sein hat, jetzt. Und man kann ihr antworten, was man daraus macht. Oder nicht. Cante und Compas werden zum Partner, der einen durch die Bewegungen führt, der einen trägt.
 
Im Tango hat man immer einen Spiegel. Der Partner, auf den man reagieren, mit dem man interagieren, dessen Haut man spüren muss, dessen Bewegung zur eigenen Bewegung wird.  Ein Geben und ein Geben und ein Nehmen und ein Nehmen. Das heißt auch immer ein Versinken im anderen, man muss ein Stück Seele abgeben, einen Teil von sich selbst offenbaren und in eine andere Seele hineinsehen, begehren, loslassen, verletzbar sein.
Tango führt direkt dorthin, wo das sitzt, was man vor sich selbst verstecken will. Entkommen kann man nicht. Man hat nur eine Wahl: sich einzulassen. Oder es nicht zu tun. Aber wenn man einmal mitgeht mit ihm, kann man nicht zurück. Tango ist wie ein guter Liebhaber, von dem man nicht genug bekommt, weil er einem alles gibt, was man sucht. Feinheit und Härte, Kompromisslosigkeit und Zärtlichkeit, Sinnlichkeit und Sex, Entziehen und Entgegenkommen, Glück und Sehnsucht. Und schließlich führt Tango auch immer dorthin, wo er am Ende auf den Flamenco trifft: in die Tiefen der Seele.


(Dieser Artikel erscheint auch in der Ausgabe der Flamencozeitschrift ANDA / 98.)